Zahnarztpraxis 5 hausenstraße

Zahnärztliche Gemeinschaftspraxis

CMD - Erkrankungen von Kiefergelenken und Muskulatur

Unsere Kiefergelenke sind wahre Spitzensportler. Sie bewegen den Mund geschmeidig hin und her wie Kunstturner, gleiten parallel wie Synchronschwimmer und haben die Ausdauer von Marathonläufern. Allerdings nur solange beide Gelenke gleich gut arbeiten- sonst schmerzt es beim Essen oder Sprechen oder es knackt vor dem Ohr. Auch Schmerzen der Muskulatur von Kopf, Hals und Rücken treten durch Fehlfunktionen der Kiefergelenke auf.

Unsere Kiefergelenke arbeiten fast immer: wenn wir den Mund öffnen, wenn wir sprechen, zubeißen, kauen oder gähnen. Im Vergleich zu allen anderen Gelenken verfügen die Kiefergelenke über Ausnahmequalitäten: Sie sind die beweglichsten des Körpers, arbeiten synchron und können sich gleichzeitig drehen und gleiten.

Ein gesundes Kausystem, bestehend aus Kiefergelenken, Muskulatur und Zähnen, spüren wir nicht. Wenn Schmerzen auftreten oder die Beweglichkeit eingeschränkt ist, wird dies als Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion (CMD) bezeichnet. Ein Sammelbegriff für eine Vielzahl von Beschwerden, die schmerzhaft aber so gut wie nie gefährlich oder gar lebensbedrohlich sind.

Die Bedeutung gesunder und gut funktionierender Kiefergelenke wird in ihrer Auswirkung auf die Körperfunktion und insbesondere auf die Körperhaltung oft unterschätzt. Hierzu ist das ungestörte Gleichgewicht zwischen Kiefergelenken, Muskulatur und Zähnen erforderlich

m kg bild 1Kiefergelenk in Normalfunktion

Durch Veränderungen in diesem Gleichgewicht wie z. B. Zahn- oder Kieferfehlstellungen oder Fehlbelastungen des Rückens kommt es zu Schmerzen in den Kiefergelenken, der Muskulatur oder einer Kieferfehlstellung. Bestehen diese Veränderungen länger kommt es häufig zu Knackgeräuschen im Kiefergelenk teilweise auch mit Bewegungseinschränkungen. Dieses Knacken entsteht bei der Verlagerung der Knorpelscheibe (Diskus) zwischen Gelenkkopf und Gelenkpfanne. Zumeist tritt das Knacken bei Mundöffnung, oft auch beim Schließen auf. Der Diskus verliert seine Funktion zum Schutz der knöchernen Gelenkflächen, so dass in der Folge nicht nur der Diskus sondern auch die Gelenkpfanne und der Gelenkkopf irreversibel geschädigt werden.

m kg diskus vorv abb2

Diskusvorverlagerung

Eine Kieferfehlstellung steht in direktem Zusammenhang mit der Körperhaltung. Über die Schwerpunktverlagerung des Kopfes erfolgt eine Fehlstellung der Wirbelsäule und des Beckens. Durch die Kippung des Beckens tritt eine funktionelle Beinlängendifferenz auf, trotz anatomisch identischer Beinlängen. Die Muskulatur von Kopf, Hals, Nacken und Rücken wird zur Stabilisierung des Körpers permanent asymmetrisch beansprucht und schmerzhaft verspannt. Typische Symptome sind:

- chronische Rücken-, Nacken- und Kniebeschwerden mit Wirbelsäulenbefunden (u. a. Hexenschuß)

- Schulter-Arm-Syndrom

- chronische Kopfschmerzen

- Ohrgeräusche (Tinnitus)

 

m kg beschwerden

Eine weitere sehr verbreitete Ursache für Schmerzen der Kiefergelenke und der Muskulatur ist unbewusstes starkes Reiben und Pressen der Zähne gegeneinander. Diese Fehlfunktion wird als Knirschen oder Bruxismus bezeichnet. Als Auslöser nahm man früher schlecht angepasste Füllungen, Zahnersatz oder eine Fehlstellung des Unterkiefers an. Heute wissen Wissenschaftler, dass die Hauptursache Stress ist.

Ob beruflicher oder privater Druck, wichtige Prüfungen, finanzielle Probleme, Überforderung oder unterdrückte Aggressionen – das alles können Gründe sein, die „Zähne zusammenzubeißen“ oder sich „durchzubeißen“. Fast jeder fünfte Deutsche kaut seine Probleme regelmäßig nachts noch mal durch und wacht „zerknirscht“ auf. Besonders betroffen sind Frauen zwischen 30 und 45 Jahren.

Um die jeweils erkrankten Bereiche einzugrenzen, wird mit Hilfe der Funktionsdiagnostik der Zustand von Kiefergelenken, Muskulatur und Zähnen untersucht. Dazu werden Muskulatur und Kiefergelenke abgetastet. Die Beweglichkeit von Unterkiefer, Kopf und Halswirbelsäule wird geprüft. Gemessen wird die Funktion der Kiefergelenke. Außerdem werden Zähne und Zahnhalteapparat auf Hinweise von überhöhter Krafteinwirkung untersucht. Gipsmodelle von Ober- und Unterkiefer können weitere Aufschlüsse über Zahnfehlstellungen und Abweichungen der Kiefergröße und Kieferposition geben.

Abhängig von den Ergebnissen dieser klinischen Befunde folgen individuell weitere Untersuchungen der Kiefergelenkbewegung durch elektronische Analysen der Bewegungsbahnen, Magnetresonanztomogramm und Einstellung einer Ruheposition des Unterkiefers im neuromuskulären Gleichgewicht. Ergänzend kann die Mitbehandlung von Orthopäden, Hals- Nasen- Ohrenärzten und Physiotherapeuten erforderlich sein, um die Funktion aller Organsysteme anzupassen und im Gleichgewicht zu stabilisieren.

Als erste therapeutische Maßnahme kann eine zahngetragene Schiene zu einer Entspannung und Schmerzlinderung eingesetzt werden. Entspannungs- oder Relaxierungsschienen sorgen für eine Entschlüsselung von Ober- und Unterkiefer durch die Aufhebung der Zahn-zu-Zahn-Verschlüsselung. Der Unterkiefer erhält so die Möglichkeit sich in einer muskulär symmetrisch ausbalancierten Position zu stabilisieren. Unter Berücksichtigung der Erkrankung der Kiefergelenke stellt eine solche herausnehmbare Schiene eine extrem präzise Konstruktion zur Wiedererlangung der Normalfunktion dar. In dieser Situation ist die begleitende orthopädische Behandlung zur Stabilisierung von Wirbelsäule, Schulter und Becken weitaus erfolgversprechender. Nach einem oft langen Krankheitsverlauf wird über mehrere Monate die Unterkieferposition korrigiert und gesichert bis ein harmonisches Gleichgewicht besteht.

Nach Verbesserung der Krankheitssymptome und Einstellung einer neuen Unterkieferposition kann die Schiene durch eine Korrektur der Zahnoberflächen ersetzt werden um die Unterkieferposition dauerhaft ohne Schiene zu stabilisieren. Dies kann durch die Änderung der Zahnstellung durch kieferorthopädische Bewegung der Zähne erzielt werden oder durch die Umgestaltung der Kauflächen mit Inlays, Onlays oder Teilkronen. Die Diagnose Bruxismus erfordert eine Schutzschiene zu den Zeiten des erhöhten Kaudruckes um Zähne und Zahnhalteapparat zu entlasten.